Jeder Musher bemueht sich sicherlich, seine Hunde nach bestem Wissen und Gewissen zu fuettern.
Wissenswertes ueber die Ernaehrung der Schlittenhunde; Zum Thema Leistungsphysiologie der Schlittenhunde
Schnelligkeit, Kraft und Ausdauer sind die wesentlichen Leistungsmerkmale des Schlittenhundes, die der Zweckfreundschaft zwischen Musher und Schlittenhund zugrunde liegen. Zur optimalen Entfaltung dieser Leistungen sollten dem Musher. der ja auch Trainer seines Gespannes ist, Kenntnisse über die Physiologie der Hunde bekannt sein, um funktionelle Beeinträchtigungen bei den Hunden verhindern zu können.
Während sich die Physiologie im allgemeinen mit den Funktionsweisen der einzelnen Organe unter „normalen“ Bedingungen befasst, beschäftigt sich die Leistungsphysiologie oder Sport-Physiologie speziell mit den Lebensfunktionen unter den Bedingungen der intensiven körperlichen Leistung, im Falle der Schlittenhunde, also, unter den Bedingungen des sportlichen Einsatzes bei Rennen und Training.
Die sportliche Belastung durch Lauf- und Zugarbeit bewirkt im Schlittenhunde-Organismus kurz- oder längerfristige Änderungen der verschiedenen Körperfunktionen, bis hin zur Änderung des biochemischen Gleichgewichtes im inneren Milieu. Diese Änderungen müssen als eine sinnvolle Reaktion des Organismus auf die jeweilige Belastung angesehen werden. Zur optimalen Entfaltung der Leistungsfähigkeit müssen vor allem die Atmungsorgane, aber auch Herz, Kreislauf und Muskelstoffwechsel sehr funktionstüchtig sein. Die Atmungsorgane stehen an erster Stelle, weil die Ausdauer/Leistungsfähigkeit letztendlich davon abhängt, wie viel Sauerstoff über die Atmung aufgenommen und zu den arbeitenden Muskeln befördert werden kann.
Um eine länger anhaltende Lauf- und Zugleistung ohne nennenswerte Ermüdung durchführen zu können,
muss vom Schlittenhund ausreichend Sauerstoff aufgenommen und zu den arbeitenden Muskeln befördert werden. An dieser
Sauerstoffaufnahme und dem -Transport sind beteiligt:
- die Lungenatmung,
- der Gaswechsel in den Lungenbläschen,
- die Sauerstofftransportkapazität des Blutes,
- der Übergang des Sauerstoffes aus dem Blut in die Muskeln,
- die Sauerstoffausnutzung im Muskel.
Die Frage, welche Funktion des Körpers leistungsbegrenzend bei Rennen für die Schlittenhunde ist, ist bisher noch nicht eindeutig beantwortet. Nach bisherigem Wissensstand scheinen es
- weder die Sauerstoffaufnahme durch die Lunge,
- noch die Pumpleistung des Herzens oder die Sauerstofftransportkapazität des Blutes, zu sein.
Muskelfasertypen der Schlittenhunde
Typ II B oder FT < fast twitch> die sich schnell kontrahieren und auch schnell ermüden,
Typ II A oder FTH < fast twitch, high oxidative) die den Übergangstyp darstellen Überträgt man die bisherigen Erkenntnisse, die am Menschen, an Pferden und verschiedenen anderen Hunderassen gewonnen wurden auf die Schlittenhunde, so darf angenommen werden, dass bei den Siberian Huskys die über viele Generationen auf Ausdauer gezüchtet und ausgelesen wurden, der Fasertyp II A vorherrscht. Durch Einkreuzung anderer Hunderassen dürfte dann beim Alaskan Husky eine Verschiebung hin zum Typ II B erzielt worden sein. Jedenfalls bestätigen bisherige Untersuchungen, dass es Relationen gibt zwischen der Fasertypen-Zusammensetzung der Muskeln und der sportlichen Leistungsfähigkeit bei Hunden. Für die Kontraktion benötigen die Muskelfasern Energie, wobei chemische Energie in Bewegungsenergie umgewandelt wird. Dazu bedient sich die Muskelzelle der Hunde folgender Energiequellen:
In einer 1. Phase, gleich zu Arbeitsbeginn, wird Adenosintriphosphat (ATP) kurzfristig aus dem im Muskel gespeicherten Phosphat gebildet und als Energiequelle verbraucht. Diese Energiegewinnung findet ohne Sauerstoffbeteiligung statt, d. h. anaerob und dauert nur sehr kurze Zeit.
In einer 2. Phase wird ATP aus dem in der Muskelzelle eingelagerten tierischen Stärke (Glykogen) und freien Fettsäuren in Anwesenheit von Sauerstoff, d. h. aerob, gebildet.
Da Glykogen beim Hund nur in geringen Mengen in den Zellen eingelagert ist, wird in einer 3. Phase auf die im Blut vorhandenen freien Fettsäuren zurückgegriffen.
Bei länger dauernder Lauf- und Zugleistung wird in einer 4. Phase auf die in der Leber und danach auf die aus dem
Körperfett freigesetzten Fettsäuren zurückgegriffen, soweit zwischenzeitlich kein Nachschub aus
dem Verdauungstrakt erfolgte. Die Energiegewinnung in der 3. und 4. Phase findet immer in Anwesenheit von Sauerstoff, also aerob, statt. Bei extremen Dauerbelastungen, wenn es zu einer Sauerstoffschuld kommen kann, erfolgt in einer 5. Phase die Energiegewinnung durch anaeroben Abbau der Glukose bis zur Milchsäure. Im Gegensatz zum Menschen, aber auch zum Pferd, spielt diese Energiegewinnung bei Schlittenhunden eine untergeordnete Rolle.
Bei der Energiegewinnung innerhalb der Muskelzelle spielt der Mineralstoff Kalium eine bedeutende Rolle. Aus diesem Sachverhalt können für die Fütterung der Schlittenhunde folgende Schlussfolgerungen gezogen werden:
1. die Energieversorgung sollte vornehmlich direkt aus Fetten erfolgen;
2. eine ausreichend hohe Kalium-Versorgung ist absolut notwendig.
Die Fähigkeit der Schlittenhunde, die Energie, auch bei extremen Bedarf, vornehmlich aerob aus freien Fettsäuren zu gewinnen, erklärt unter anderem ihre Leistungsfähigkeit und Ausdauer.
Die Ermüdung der Muskeln haben bei den Schlittenhunden folgende Ursachen:
- relativer Mangel an energiereichen Verbindungen,
- unzureichende Versorgung mit von an der Energiegewinnung beteiligter Stoffe, wie z.B. Kalium,
- unzureichende Sauerstoffversorgung,
- Milchsäureansammlung im Muskel und Blut,
- Anreicherung von anderen Stoffwechselabbauprodukten.
Neben diesen Ursachen, die zur peripheren Ernährung führen, verfügt der Hund auch noch über eine zentrale Ermüdung, die der peripheren vorgelagert ist. Die zentrale Ermüdung stellt einen wirksamen Schutzmechanismus dar und beruht auf der Herabsetzung der Reaktionsbereitschaft des zentralen Nervensystemes, bevor es zu einer ermüdungsbedingten Unterbrechung der Nervenimpulse in der Muskelfaser kommt. Wie früh dieser
Schutzmechanismus einsetzt, unterliegt individuellen Schwankungen und ist einer der Gründe warum es Unterschiede in Bezug auf Leistungsbereitschaft und ,,Härte" zwischen den Schlittenhunden gibt. Beim guten Schlittenhund setzt dieser Schutzmechanismus spät ein, so dass dieser bis zur physischen Erschöpfung, sprich totaler Muskelermüdung, kommen kann.
(Auszüge aus der Schriftreihe "Rationsgestaltung für sportlich eingesetzte Schlittenhunde")